Du spürst es schon lange. Dieses leise Glühen tief in Dir – als wäre da etwas, das brennen möchte, aber noch keinen Raum bekommt.
Vielleicht kennst Du dieses Gefühl: Du weißt, dass da mehr in Dir steckt. Mehr Kraft. Mehr Klarheit. Mehr Du. Und trotzdem bleibt es irgendwie neblig, irgendwie greifst Du danach und es zerrinnt Dir zwischen den Fingern. Du funktionierst, Du tust, Du versuchst – und dennoch bleibt diese eine leise Frage bestehen: Ist das wirklich alles? Bin das wirklich ich?
Ich kenne dieses Gefühl. Nicht aus einem Buch. Nicht aus einer Ausbildung. Sondern aus einem Moment auf einer Straße, der mein Leben für immer verändert hat.
Mein Weg begann nicht mit einem Aufbruch. Er begann mit einem Totalschaden.
Ich hatte alles getan, was man eben tut. Studiert, gearbeitet, meinen Werten gefolgt – Naturschutz, Umwelt, Sinn. Und trotzdem lag seit der Schulzeit ein Nebel über mir, den ich nicht benennen konnte. Dieser leise, zermürbende Zweifel: Kann ich überhaupt einen wertvollen Beitrag leisten? Bin ich genug?
Der erste richtige Job im Umweltschutz fühlte sich anfangs wie ein Jackpot an. Doch je mehr ich mich einarbeitete und verstand, wie es wirklich läuft, kam die Ernüchterung. Nebenher lief der Alltag – Kinder, Partner, Pflichten – und ich lief mit. Bis zu dem Tag, an dem ich einen Autounfall hatte. Ein Totalschaden. Mir passierte zum Glück nichts. Und doch saß ich danach da mit einem Gedanken, der mich erschreckt hat: Ich hätte mir gewünscht, dass mir mehr passiert wäre.
Einfach weil ich so unglaublich erschöpft war. Weil ich mir nur Zeit für mich gewünscht hatte – raus aus dem ewigen Funktionieren, dem Abhaken, dem Allen-gerecht-werden-müssen. Dieser Gedanke war ein Weckruf. Laut und unüberhörbar.
Was folgte, war eine Depression.
Keine romantische Krise – sondern echter Schatten, echter Schmerz. Und gleichzeitig der Beginn von etwas, das ich damals noch nicht sehen konnte.
Manchmal ist das Dunkel der einzige Ort, an dem man endlich anfängt, ehrlich hinzuschauen.
Ich begann, mir selbst zu helfen. Nicht sofort und nicht auf direktem Weg – aber ich begann. Ich besuchte Resilienz Seminare, übte mich in mehr Ruhe und Auszeiten. Und irgendwann traf ich eine Entscheidung, die sich radikal anfühlte: Ich wanderte aus, samt Familie. Raus aus der Großstadt, die mich überreizte. Raus aus der Plattenbausiedlung, die mir schon mein Leben lang Anpassung abverlangte. Raus aus einem System, das mich in Formen presste, die mir zu eng waren.
Dieser Schritt war bereits eine tiefe Erleichterung. Als würde ich zum ersten Mal seit Jahren wieder atmen. In dieser Zeit des Wandels begleitete mich die Spiritualität mehr und mehr – und so passierten immer wieder Wunder. Begegnungen, Zufälle, Schicksal, wie man es auch immer nennen möchte, jedenfalls hörte ich meinen Ruf immer bewusster, es wurde immer deutlicher und klarer, was ICH wollte.